Mit dem Auto durch die norwegischen Fjorde: Fähren, Maut und die langsame Straße

Fünf Tage von Ålesund nach Kristiansund, mit Fährdecks statt Autobahnen, Kameras statt Mautstationen und der Atlantikstraße als Finale. So funktioniert das Bezahlen wirklich.

Die Atlantikstraße schwingt sich über ihre Brücken zwischen Inselchen an der norwegischen Küste
Alexander Sinn / Unsplash

Norwegen hat unser Verständnis von einem Fahrtag umgekrempelt. An der Fjordküste sind 200 km ein voller, guter Tag: Die Straße endet immer wieder an einer Rampe, eine Fähre trägt dich hinüber, und du fährst in ein anderes Tal hinein. Auch das Bezahlen hat mit dem Rest Europas nichts zu tun. Keine Vignette, keine Schranke, kein Ticket. Kameras lesen dein Kennzeichen, und die Rechnung findet dich später. Sobald wir das verstanden hatten, wurde die ganze Reise entspannt.

Die Route: von Ålesund nach Kristiansund, aber langsam

Wir haben diesem Abschnitt fünf Tage gegeben, und er hat sie verdient. Der Plan ist einfach: Start in den Jugendstilgassen von Ålesund, ein Abstecher ins Landesinnere zum Geirangerfjord, dann zurück an die offene Küste und zum Schluss über die Atlantikstraße. Rund 380 km reines Fahren, großzügig gepolstert mit Fährschlangen, Aussichtspunkten und einem sehr langen Mittsommerabend.

1 Ålesund nach Geiranger 110 km

Aus Ålesund hinaus auf der fv60, dann die kurze Fähre Eidsdal-Linge über den Norddalsfjord. Ab Eidsdal klettern die Kehren des Ørnevegen (Adlerstraße) über die Schulter und lassen dich nach Geiranger hinabrollen, mit dem Fjord in der ganzen Windschutzscheibe. Halte an der Plattform Ørnesvingen, auch wenn auf dem Parkplatz Chaos herrscht.

2 Geiranger

Ein Tag fast ohne Fahren. Morgens sind wir unter den Wasserfällen der Sieben Schwestern gepaddelt, abends die private Mautstraße Nibbevegen zum Dalsnibba hinaufgefahren, als die Reisebusse weg waren und der Fjord 1.500 m tiefer in goldenem Licht lag.

3 Geiranger nach Molde 170 km

Zurück über die Adlerstraße und am Norddalsfjord entlang nach Valldal, wo Straßenstände die Erdbeeren verkaufen, für die das Tal berühmt ist. Dann nach Norden auf der E39 bis Vestnes und mit der großen Fähre über den Romsdalsfjord nach Molde, eine richtige halbstündige Überfahrt mit Cafe und Blick auf gut 200 Gipfel am Horizont.

4-5 Molde nach Kristiansund über die Atlantikstraße 100 km

Das Finale. Auf der Küstenstraße fv664 zum Fischerdorf Bud, dann die Landschaftsroute Atlanterhavsvegen: 36 km von Bud nach Kårvåg, mit den berühmten sieben Brücken, die über die Bucht Hustadvika von Inselchen zu Inselchen springen. Geh den Rundweg auf Eldhusøya, fotografiere die Storseisundbrua von der Seite Askevågen und rolle durch den Unterseetunnel nach Kristiansund.

Maut: keine Schranken, keine Vignette, nur Kameras

Die norwegische Maut läuft vollautomatisch. Jeder Mautpunkt ist ein Portal mit Kennzeichenkameras; du fährst mit normalem Tempo durch, abgerechnet wird hinterher. Für ein im Ausland zugelassenes Auto gibt es zwei sinnvolle Optionen. Die kostenlose: Kennzeichen und Zahlungskarte bei Epass24 registrieren, dem offiziellen Abrechnungsbetreiber, damit die Beträge zum korrekten Tarif auf deiner Karte landen und du die Ermittlungsgebühren vermeidest, die anfallen, wenn das System einen nicht registrierten Halter aufspüren muss. Die ehrgeizigere: vor der Abfahrt ein AutoPASS-Mautgerät bei einem Mautdienstleister bestellen, das 20 Prozent Rabatt auf jede Durchfahrt bringt und sich lohnt, wenn du ernsthaft Strecke machst.

Fähren: der Fahrplan ist die eigentliche Karte

Fjordfähren sind kein Ereignis, sie sind das Straßennetz. Kurze Überfahrten wie Eidsdal-Linge pendeln im Sommer praktisch pausenlos; du stellst dich in die Schlange, fährst auf, und bezahlt wird genau wie an der Maut: Kameras lesen das Kennzeichen, kein Bargeld, kein Schalter. Ohne Vertrag bekommt der Halter schlicht eine Rechnung per Post, plus Rechnungsgebühr. Mit einem AutoPASS-for-ferry-Vorauszahlungsvertrag zahlen private Pkw unter 8 m einmalig 2.200 NOK als Guthaben ein, und jede Überfahrt wird zum halben Preis davon abgebucht; bei uns hatte sich das etwa am dritten Tag amortisiert. Und ein Detail, das wir lieben: Der Preis gilt pro Fahrzeug mit Fahrer, und seit 2023 fahren Mitreisende auf diesen Straßenfähren gratis, ein volles Auto kostet also dasselbe wie ein leeres.

Eine Autofähre überquert einen norwegischen Fjord zwischen steilen Berghängen
Die Straße geht auf dem Wasser weiter: eine Routineüberfahrt an der Romsdalsküste. Jonathan Saleh / Unsplash

Bezahlen in Norwegen (2026, Pkw unter 8 m)

Vignette
Keine. Norwegen hat kein Vignettensystem
Mautzahlung
Automatisch per Kennzeichenkamera (AutoPASS-Netz)Keine Schranken; Abrechnung im Nachhinein
Ausländische Kennzeichen
Kostenlos bei Epass24 registrierenKorrekte Tarife, keine Ermittlungsgebühren
AutoPASS-Gerät
20% Rabatt auf jede MautdurchfahrtVor der Reise bei einem Mautdienstleister bestellen
Fährvertrag
50% Rabatt mit AutoPASS for ferry, 2.200 NOK Guthaben vorab10% mit Gerät allein
Fährpassagiere
Gratis seit 2023; bezahlt wird pro Fahrzeug mit Fahrer

Quelle: AutoPASS offiziell; aktuelle Tarife vor der Reise prüfen

Timing: dem Licht nachfahren, nicht der Mitternachtssonne

Die Fjordküste liegt auf etwa 62 bis 63 Grad Nord, unterhalb des Polarkreises, echte Mitternachtssonne gibt es hier also nicht. Was du im Juni und frühen Juli bekommst, ist für Fahrer womöglich besser: Die Sonne geht spät unter, taucht nur flach weg, und der Himmel wird nie richtig dunkel. Wir sind die Atlantikstraße um 23 Uhr in einer langen bernsteinfarbenen Dämmerung gefahren und hatten die Storseisundbrua fast für uns, Stunden nachdem der Tagesausflugsverkehr verschwunden war. Wer jede berühmte Aussicht leer erleben will, fährt sie nach dem Abendessen.

Ehrliches Fazit: Das ist das entspannteste Fahren, das wir irgendwo in Europa erlebt haben. Die Tempolimits sind niedrig, der Verkehr ist dünn, und die Bezahlerei läuft von selbst, sobald das Kennzeichen registriert ist. Plane aber Budget ein. Zwischen Maut, Fähren und norwegischen Spritpreisen kostet Norwegen pro Kilometer mehr als jedes andere Land, das wir fahren, und ist trotzdem jede Krone wert.

Quellen & Weiterlesen

Wir prüfen die Angaben in diesem Guide anhand offizieller Quellen und vermerken, wann wir ihn zuletzt aktualisiert haben.

Häufige Fragen

Muss ich die Fjordfähren vorab buchen?

Die Straßenfähren nicht. Überfahrten wie Eidsdal-Linge oder Vestnes-Molde funktionieren nach dem Prinzip Vorfahren und Warten: Du stellst dich an, fährst auf das nächste Boot, und die Kameras regeln die Bezahlung. Die Ausnahme sind Ausflugsfähren wie die Touristenüberfahrt Geiranger-Hellesylt, die Tickets mit Zeitfenster verkauft und im Juli tatsächlich voll wird; die solltest du buchen.

Wie funktioniert die Maut im ausländischen Auto oder Mietwagen?

Jeder Mautpunkt fotografiert dein Kennzeichen; niemand hält an. Im eigenen, im Ausland zugelassenen Auto registrierst du das Kennzeichen mit Zahlungskarte vor der Reise bei Epass24, damit korrekt und ohne Ermittlungsgebühren abgerechnet wird, oder du besorgst dir ein AutoPASS-Gerät mit 20 Prozent Rabatt pro Durchfahrt. Im Mietwagen bekommt der Vermieter die Mautrechnungen und reicht sie an dich weiter, meist mit einer kleinen Bearbeitungsgebühr.

Ist die Atlantikstraße selbst mautpflichtig?

Nein. Die Atlanterhavsvegen ist mautfrei und ganzjährig offen. Sie ist eine der offiziellen norwegischen Landschaftsrouten, 36 km zwischen Bud und Kårvåg, und auch die Aussichtspunkte und der Steg auf Eldhusøya kosten nichts. Die Maut auf dieser Reise kommt von Stadtringen, Tunneln und den Fähren, nicht von der berühmten Straße selbst.